Häusliche Selbsthilfe


Kinder werden nie "geplant" krank, und oft genug treten Beschwerden oder Krankheiten zu den ungünstigsten Zeitpunkten auf, etwa nachts, an den Wochenenden oder auch auf Reisen. Viele der gängigsten Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen benötigen nicht zwangsweise sofort einen Arztbesuch. Für häufig auftretende Situationen haben wir Ihnen ein paar der wichtigsten Informationen zur Schnell- und Selbsthilfe zusammengestellt.

Auf den Internetseiten der Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin finden Sie umfangreiches Informationsmaterial zu Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Hier erfahren Sie auch, was Sie über die häufigsten Erkrankungen bei Kindern wissen sollten, und was Sie zuhause außerhalb unserer Sprechzeiten unternehmen können.

Mehr Infos unter

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Mein Kind hat Fieber

Von Fieber sprechen wir, wenn die Temperatur 38,5°C oder mehr beträgt. Bei einzelnen Kindern weisen aber schon Temperaturen zwischen 38,0 und 38,5°C auf eine Erkrankung hin. Tageszeitliche Schwankungen der Körpertemperatur müssen berücksichtigt werden: Morgens ist die Temperatur meist 0,5°C niedriger als abends. Überschreitet die Temperatur 41°C, sprechen wir von Hyperthermie.

Wie entsteht Fieber?

Die Körpertemperatur wird von einem Teil des Gehirns, dem sog. Hypothalamus, gesteuert und auf einen normalen Sollwert zwischen 36,6 und 38°C reguliert. Bestimmte Botenstoffe, die bei Infektionen im Körper entstehen, können zum Hypothalamus gelangen und eine Verstellung des Sollwertes in Richtung auf höhere Werte bewirken: Der Körper empfindet plötzlich 37°C als kalt und reguliert die Temperatur beispielsweise durch Schüttelfrost nach oben. Damit entsteht Fieber, und bestimmte Stoffwechsel- und Abwehrvorgänge laufen schneller ab. Bei Neugeborenen funktioniert dieser Ablauf manchmal nicht. Neugeborene und junge Säuglinge können schwere Infektionen haben, ohne dass Fieber auftritt! Wenn also in diesem Alter ein Kind z. B. durch Trinkunlust oder Veränderung der Hautfarbe auffällt, sollte der Kinder- und Jugendarzt aufgesucht werden, selbst wenn kein Fieber vorliegt.

Was kann ich zuhause tun?

Bei Kindern, die trotz erhöhter Körpertemperatur munter sind und normal essen und trinken, müssen keine Maßnahmen ergriffen werden. Steigt die Temperatur aber über 38,5°C an, kann der Allgemeinzustand eines Kindes beeinträchtigt werden: Es fühlt sich schlecht, hat Muskel- und Gliederschmerzen, ist appetitlos und quengelig. Wenn das Kind offensichtlich leidet, ist es

sinnvoll, das Fieber zu senken. Bei kleinen Kindern stehen dafür Zäpfchen oder Säfte zur Verfügung, große Kinder können Tabletten einnehmen. Sinnvoll sind die Wirkstoffe Paracetamol oder Ibuprofen, bei größeren Kindern auch Acetysalicylsäure, die in der richtigen Dosis gegeben werden müssen (Beipackzettel lesen). Ergänzend können bei hohem Fieber Bauch- oder Wadenwickel eingesetzt werden.

Wichtig und zu beachten!

Alle Maßnahmen lindern nur die Beschwerden, bekämpfen aber nicht die Ursache des Fiebers. Fiebersenkung ist somit kein Ersatz für eine Untersuchung durch einen Kinder- und Jugendarzt! Nur in wenigen Fällen ist eine antibiotische Behandlung notwendig. Ihr Kinder- und Jugendarzt wird Nutzen und Risiken bei jedem Einzelfall sehr kritisch und sorgfältig abwägen.

Mein Kind hat Husten

Husten ist ein wichtiger Schutzreflex der Atemwege, denn er sorgt für die Reinigung der Atemwege und warnt uns beim Einatmen von Schadstoffen wie Rauch und Abgasen. Husten ist das Hauptsymptom bei einfachen Luftwegsinfekten, die in der Regel eine Dauer von ein bis maximal zwei Wochen haben. Bei Kleinkindern können sich Luftwegsinfekte im Winter häufen, somit kommt es dann auch oft zu Husten. Anlass zur Sorge sollte aber ein Husten geben, der mehr als zwei Wochen dauert und bei dem es keine hustenfreien Tage gibt. Dieser bedarf – ebenso wie ein chronischer und somit lang andauernder Husten – einer Abklärung durch den Kinder- und Jugendarzt.

Typische Krankheitsbilder mit Husten

Bei Schnupfen kommt es vor allem abends und nachts zum Schleimfluss aus der Nase bis in den Kehlkopf. Dabei wird als Schutzreflex häufig gehustet. Zwischendurch aber ist das Kind ohne Symptome und atmet ohne weitere Geräusche.

Luftwegsinfekte gehen bei Beteiligung der unteren Atemwege (Bronchien/Lungen) stets mit Husten einher. Hierbei ist der Husten überwiegend feucht mit Auswurf („produktiv“) – es liegt dann eine Bronchitis vor. Diese wird, wie auch der Schnupfen, überwiegend von Viren verursacht, Antibiotika können daher nicht helfen.

Tritt Fieber und vielleicht Kurzatmigkeit auf, muss auch an eine Lungenentzündung gedacht werden. Ihr Kinder- und Jugendarzt wird dann entscheiden, ob eine Röntgenuntersuchung der Lunge notwendig ist und ob evtl. eine Therapie mit Antibiotika eingeleitet werden sollte.

Nach einem Luftwegsinfekt können die Bronchien noch über einen Zeitraum von einigen Wochen überempfindlich sein, mit der Folge, dass in bestimmten Situationen Husten auftritt, z. B. beim Laufen oder während anderer körperlicher Belastungen, beim Einatmen von kalter Luft oder von Tabakrauch.

Ein bellender Husten ist ein Hinweis auf eine Entzündung der Luftröhre, z. B. im Rahmen einer so genannten Pseudokrupp-Erkrankung. Auch hierbei ist ein Virus auslösend. Durch eine

Schleimhautschwellung kommt es zu einer Verengung der Atemwege unterhalb des Kehlkopfes und evtl. auch zu einem pfeifenden Geräusch bei der Einatmung (Stridor) sowie zu Atemnot. Ein Kinder- und Jugendarzt ist dann unverzüglich zu Rate zu ziehen.

Bei einem plötzlich und unvermittelt auftretenden starken Husten muss im Kleinkindalter an das Einatmen („Verschlucken“) eines Fremdkörpers, z. B. einer Erdnuss, gedacht werden, und eine sofortige Vorstellung bei einem Kinder- und Jugendarzt oder in einer Kinderklinik sollte dringlich erfolgen.

Chronischer, über viele Wochen andauernder, zum Teil trockener Husten kann ein Hinweis auf eine asthmatische oder allergische Bronchitis sein. Ihr Kinder- und Jugendarzt wird eine entsprechende Abklärung und evtl. Therapie durchführen. Eventuell wird er in besonders schwierigen Fällen eine Überweisung an einen Kinderpneumologen (Spezialist für Lungenerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen) vornehmen. Oft ist dann eine Lungenfunktionsuntersuchung notwendig, die schon bei Kindern ab dem Vorschulalter durchgeführt werden kann.

Bei hartnäckigem Husten muss auch bei geimpften Kindern an eine Keuchhustenerkrankung gedacht werden, wenn die letzte Impfung fünf bis zehn Jahre zurückliegt

Was kann ich zuhause tun?

Bei Kindern, die trotz erhöhter Körpertemperatur munter sind und normal essen und trinken, müssen keine Maßnahmen ergriffen werden. Steigt die Temperatur aber über 38,5°C an, kann der Allgemeinzustand eines Kindes beeinträchtigt werden: Es fühlt sich schlecht, hat Muskel- und Gliederschmerzen, ist appetitlos und quengelig. Wenn das Kind offensichtlich leidet, ist es

sinnvoll, das Fieber zu senken. Bei kleinen Kindern stehen dafür Zäpfchen oder Säfte zur Verfügung, große Kinder können Tabletten einnehmen. Sinnvoll sind die Wirkstoffe Paracetamol oder Ibuprofen, bei größeren Kindern auch Acetysalicylsäure, die in der richtigen Dosis gegeben werden müssen (Beipackzettel lesen). Ergänzend können bei hohem Fieber Bauch- oder Wadenwickel eingesetzt werden.

Was tun bei Husten?

Der Husten als Symptom eines einfachen Luftwegsinfektes benötigt meist keine besondere Therapie. Da es sich hierbei fast immer um einen Virusinfekt handelt, können Antibiotika nicht helfen und sind somit zunächst nicht sinnvoll. Ihr Kinder- und Jugendarzt wird evtl. bei lang andauerndem Husten mit Fieber an eine Zweitinfektion mit Bakterien denken und dann Antibiotika verordnen.

Auf eine ausreichende Trinkmenge (Tee, Wasser) ist stets zu achten, damit der Husten locker wird oder bleibt. Bei trockenem („unproduktivem“), quälendem Reizhusten kann ein hustendämpfendes Medikament kinderärztlich verordnet werden, das insbesondere die nächtliche Schlafstörung vermindert. Hierdurch heilt aber die Erkrankung nicht rascher aus.

Hustenlösende Medikamente (Hustensäfte) werden oft bei banalen Luftwegsinfekten eingesetzt, ein Nachweis ihrer Wirksamkeit konnte aber in wissenschaftlichen Studien bisher nicht erbracht werden. Fragen Sie Ihren Kinder- und Jugendarzt nach geeigneten Maßnahmen.

Die allergische/asthmatische Bronchitis, die durch eine Schleimhautentzündung verursacht wird, benötigt – neben der Vermeidung von verantwortlichen Auslösern, insbesondere der Stoffe, die eingeatmet werden („Inhalationsallergene“) – eine entzündungshemmende Therapie, die meist als Inhalation durchgeführt wird. Außerdem sollten Eltern das häusliche Rauchen einstellen.

Ansprechpartner bei Hustenerkrankungen ist zunächst, wie bei allen Erkrankungen im Kindesund Jugendalter, der Kinder- und Jugendarzt. Er wird, wenn nötig, eine Blutuntersuchung oder ein Röntgenbild veranlassen bzw. im Bedarfsfall einen Spezialisten für Atemwegserkrankungen (Kinderpneumologen) oder einen Kinder- und Jugendarzt mit allergologischer Erfahrung zu Rate ziehen.

Mein Kind hat Durchfall

Plötzlich auftretender weicher bis wässriger Stuhl bei einem bisher gesunden Kind ist meistens Folge einer infektiösen Magen-Darmerkrankung. Häufig treten vor oder mit dem Durchfall auch noch Erbrechen und Fieber auf. Auslöser der Infektion sind sehr häufig Rota- und Noroviren oder durch Bakterien verunreinigte Lebensmittel.

Diese Erreger greifen die Darmschleimhaut direkt an oder schädigen sie durch ihre Gifte (Toxine). Der Darm kann Wasser und verschiedene Salze (Elektrolyte) nicht mehr ausreichend aus dem Speisebrei in das Blut (und damit in den Körper) zurückholen. Mit dem wässrigen Stuhl gehen so in kurzer Zeit große Mengen an Flüssigkeit und Blutsalzen verloren, der Körper trocknet aus.

Wie gefährlich ist eine Durchfallerkrankung?

Säuglinge und Kleinkinder bis 2 Jahre sind am stärksten gefährdet. Bei kleinen Kindern kann heftiger Durchfall, besonders wenn zusätzlich Erbrechen auftritt, schon innerhalb weniger Stunden zu einer starken Austrocknung führen: Dies kann ernste Konsequenzen für die Gesundheit Ihres Kindes haben.

Was können Eltern tun?

Am wichtigsten ist es, die durch Durchfall und Erbrechen verlorene Menge an Flüssigkeit und Blutsalzen (Elektrolyte) mit einer speziellen Trinklösung aus Salz (Natrium) und Traubenzucker (Glukose) sehr rasch zu ersetzen. Nur mit Hilfe der richtigen Elektrolyt-Glukose-Mischung kann das für den Körper so wichtige Wasser optimal vom Darm aufgenommen werden. Fertige, in Pulverform erhältliche „Elektrolyt-Glukose-Trinklösungen“ im richtigen Mischungsverhältnis gibt es in jeder Apotheke zu kaufen.

Wieviel Trinklösung braucht mein Kind?

Die Menge hängt sowohl vom Alter und dem Gewicht Ihres Kindes, als auch von der Flüssigkeitsmenge ab, die durch Durchfall und Erbrechen verloren gegangen ist. Zeigt Ihr Kind schon Zeichen der Austrocknung, z. B. eine trockene Zunge, eingesunkene Augen und ist unruhig oder sehr durstig, benötigt es in den ersten 3 – 4 Stunden 40 – 50 ml Elektrolyt-Glukose-Mischung pro Kilogramm Körpergewicht. Zeigt Ihr Kind noch keine Zeichen der Austrocknung, ersetzen Sie Ihrem Kind die abgeschätzte verlorene Flüssigkeit durch die Trinklösung. Bei Säuglingen sind das 50 –100 ml, bei Kleinkindern 100 –150 ml nach jedem flüssigen Stuhl oder Erbrechen.

Wann und was darf ich meinem Kind wieder zu essen geben?

Der Darm braucht für den Heilungsprozess Energie. Wenn Sie Ihr Kind stillen, können Sie es zwischen dem Füttern der Trinklösung an die Brust legen. Sobald der Körper Ihres Kindes wieder gut mit Flüssigkeit versorgt ist (was nach 3 – 4 Stunden der Fall sein sollte), geben Sie ihm auch wieder die gewohnte Nahrung. Säuglinge erhalten Muttermilch oder ihre übliche Flaschennahrung in normaler Konzentration (nicht verdünnt), Kleinkinder erhalten ihre gewohnte Kost. Günstig sind stärkehaltige Produkte wie Nudeln, Breie, Kartoffeln, Brot oder Zwieback. Auch Fett ist erlaubt. Schränken Sie in den ersten Tagen die Gabe von stark zuckerhaltigen Speisen und Getränken, besonders Säften und Softdrinks, ein.

Medikamente und Hausmittel

Die Gabe zahlreicher Medikamente ist bei Brechdurchfall im Säuglings- und Kleinkindalter nicht nur sinnlos, sondern gefährlich. Einige wenige Medikamente können allerdings bei frühem Einsatz

die Durchfalldauer verkürzen und können eine Ergänzung, keinesfalls aber ein Ersatz für die Trinklösung sein. Die Entscheidung über den Einsatz von Medikamenten sollten Sie in jedem Fall gemeinsam mit Ihrem Kinder- und Jugendarzt treffen. Cola-Getränke, Salzstangen, lange „Teepausen“ und eine tagelange „Durchfalldiät“ mit fettarmen Speisen sind zur Behandlung ungeeignet.

In folgenden Situationen sollten Sie umgehend die kinder- und jugendärztliche Praxis oder auch die Notfallambulanz einer Kinderklinik aufsuchen

  • Ihr Kind ist jünger als 7 Monate oder wiegt weniger als 8 kg (besonders Frühgeborene)
  • Ihr Kind hat eine andere bekannte Grundkrankheit, oder eine Stoffwechselerkrankung
  • Ihr Kind hat hohes Fieber ( > 39,5°C)
  • Ihr Kind zeigt auffälliges Verhalten wie Hinfälligkeit,Gereiztheit, schrilles Schreien, Trinkschwäche.
  • Ihr Kind hat sehr zahlreiche und große Mengen wässrigen Stuhls z. B. > 8 –10 Stühle pro Tag
  • Ihr Kind leidet an unstillbarem Erbrechen
  • Ihr Kind verweigert trotz Zeichen der Austrocknung die Trinklösung
  • Der Zustand Ihres Kindes verschlechtert sich trotz Gabe der Trinklösung
  • Ihr Kind leidet an blutigen Durchfällen (mehr als einzelne Blutfäden)
  • Wenn Sie sich überfordert fühlen oder unsicher sind

Mein Kind hat Bauchschmerzen

Bauchschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden im Kindesalter. Meist sind Infekte oder Nahrungsunverträglichkeiten die Ursache. Auch die Reaktion des Körpers auf Aufregung, Angst oder freudige Erregung kann Bauchschmerzen auslösen. In den meisten Fällen verschwinden die Bauchschmerzen jedoch schnell wieder, denn der Verdauungsapparat Ihres Kindes ist jeden Tag mit neuen Herausforderungen konfrontiert und „übt“ noch.

Wie kommt es zu plötzlich auftretenden (akuten) Bauchschmerzen?

Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Ursache der Schmerzen oft schwierig festzustellen. Anzeichen sind Wimmern oder Schreien, Nahrungsverweigerung, Krümmen, Beine anziehen, Erbrechen oder Durchfall sowie starke Empfindlichkeit bei Berührung des Bauches. Dauern die Beschwerden an oder nehmen sogar zu, wirkt Ihr Kind still, teilnahmslos, krank und blass oder erbricht Galle (grün), hat Blut im Stuhl oder hohes Fieber, sollten Sie sofort Ihren Kinder- und Jugendarzt oder eine kinderärztliche Notfallambulanz aufsuchen.

Ältere Kinder können ihre Schmerzen meist gut beschreiben. Sind die Bauchschmerzen sehr stark, bzw. werden auch nach der Stuhlentleerung nicht besser, werden die Schmerzen im rechten Unterbauch oder an einer anderen Stelle fern vom Bauchnabelbereich beschrieben, und Sie erkennen keine Ursache wie z. B. eine Magen-Darm-Infektion, sollten Sie sofort Ihren Kinder- und Jugendarzt aufsuchen.

Mögliche Ursachen für akute Bauchschmerzen

  • Säuglingskolik, Magen-Darm-Infektion, andere Infektionen
  • Verstopfung, Blinddarmentzündung, Darmverschluss, Darmentzündung
  • Blasenentzündung, Nieren- oder Gallensteine, selten andere Ursachen

Geben Sie keine schmerzstillenden Zäpfchen, Tabletten oder Säfte ohne eine klare Diagnose Ihres Kinder- und Jugendarztes!

Sie sollten unbedingt Ihren Kinder- und Jugendarzt aufsuchen, wenn Sie folgende Warnsymptome bei Ihrem Kind feststellen

  • Wiederkehrende Bauchschmerzen an derselben Stelle fern vom Bauchnabel
  • Nächtliches Aufwachen wegen Bauchschmerzen
  • Kolikartige Bauchschmerzen, wellenförmig, mit Schweißausbruch
  • Beschwerden beim Wasserlassen
  • Anhaltende oder häufige Durchfälle über eine Dauer von mehr als 4 Wochen
  • Blut im Stuhl, wiederholtes Erbrechen, Blutfäden oder grüner Gallensaft im Erbrochenen, Bluterbrechen
  • Deutliche Gewichtsabnahme, fehlende Gewichtszunahme oder Wachstumsstillstand
  • Wiederkehrendes Fieber

Mein Kind hat Verstopfung

Als Verstopfung bezeichnet man eine zu seltene Stuhlentleerung. Was „zu selten“ ist, hängt vom Alter und den Ernährungsgewohnheiten ab. Kinder und Erwachsene haben im Schnitt 1 bis 3-mal am Tag Stuhlgang, aber auch 1 Stuhlentleerung alle zwei Tage ist noch normal. Dagegen entleeren gestillte Säuglinge oft 4 bis 5-mal am Tag den Darm (oder auch nur einmal pro Woche), ohne dass das krankhaft ist und sie Zeichen von Unwohlsein zeigen. Neben dem „zu selten“ gibt es noch andere Zeichen einer Verstopfung: Wenn der Stuhl zu hart ist, nur unter Schmerzen oder mit starker Anstrengung abgesetzt werden kann, oder der Stuhl unvollständig entleert wird und sich größere Stuhlmassen im Enddarm ansammeln. Dauert die Verstopfung länger als 2 Monate an, spricht man von „chronisch“ (in der medizinischen Fachsprache: „chronische Verstopfung oder chronische Obstipation“).

Was passiert bei normalem Stuhlgang?

Mehrmals am Tag schiebt der Darm eine Stuhlportion in den Enddarm, meistens nach den Mahlzeiten. Das löst dann ein Druckgefühl aus, das nach dem Ausscheiden des Stuhls aufhört. Es lässt sich durch Anspannen des Schließmuskels und der Muskeln des Beckenbodens aber uch „verkneifen“. Dann verschwindet der Stuhldrang nach wenigen Minuten wieder, weil der Darm seinen Inhalt wieder ein Stück zurücktransportiert hat.

Wie kommt es zur Verstopfung?

Oft sind es Änderungen im normalen Tagesablauf, die eine Verstopfung auslösen: eine lange Reise, ungewohntes Essen, eine Krankheit, die einen ein paar Tage ans Bett fesselt. Auch psychische Belastungssituationen können sich auf die Darmfunktion auswirken: ein Umzug, Geburt eines Geschwisters oder Konflikte in der Familie. Bei Säuglingen kann die Umstellung von Brust- auf Flaschenmilch oder der Beginn der Breifütterung der Auslöser sein. Viele Kleinkinder entwickeln zum Zeitpunkt des Sauberwerdens oder nach einer Durchfallerkrankung eine Verstopfung. Am Anfang einer chronischen Verstopfung steht oft ein wunder Po oder kleine Einrisse der Haut am Darmausgang. Dadurch tut die Darmentleerung weh, und das Kind versucht, durch „Verkneifen“ des Stuhls diese Schmerzen zu vermeiden. Bleibt der Stuhl dann länger im Darm, härtet er ein und es entstehen große Ballen, die wieder schmerzhafte Einrisse im After mit Blutauflagerungen des Stuhls beim Toilettengang verursachen können. Jetzt versucht das Kind, die Stuhlentleerung zu verhindern, was seltsam aussehen kann: Manche Kinder überkreuzen im Sitzen oder Stehen die Beine, hocken auf der eigenen Faust, rutschen auf Stuhllehnen herum oder verkriechen sich unter dem Tisch. Vor Anstrengung bei diesen Rückhaltemanövern bekommen sie oft einen roten Kopf.

Ist Verstopfung gefährlich?

Nein, eine Verstopfung ist nicht gefährlich. Es kommt dadurch nicht zu einer „inneren Vergiftung“. Die durch die Einrisse bedingten Blutauflagerungen des Stuhls haben nichts mit einer Krebserkrankung zu tun. Dennoch sollte eine Verstopfung möglichst früh erkannt und behandelt werden, denn es können Folgeprobleme auftreten. Zum einen sind die Schmerzen und auch die damit verbundenen Verhaltensprobleme für das Kind sehr unangenehm. Häufig entwickelt sich zwischen Eltern und Kind zudem ein Machtspiel um den Stuhlgang, da das Kind mit dem Verweigern des Stuhlgangs Aufmerksamkeit erhält. Eine weitere sehr unangenehme Folge kann die Ausweitung des Darmes sein, wodurch das Kind nach einer Zeit das Gefühl für Stuhldrang verliert. Manchmal werden dann ganz unbemerkt kleine Stuhlmengen in die Unterwäsche abgesetzt, und das Kind leidet meist sehr unter dieser „Unsauberkeit“. Dieses „Stuhlschmieren“ darf nicht als Durchfall fehl gedeutet werden. Schimpfen und Bestrafen nützen in dieser Situation überhaupt nichts. Das Kind braucht vielmehr Hilfe, um die Kontrolle über seine Darmfunktion zurück zu bekommen.

Was ist zu tun?

Zunächst sollte das Kind einem Kinder- und Jugendarzt vorgestellt werden, der das Ausmaß der Verstopfung feststellen und seltene Organerkrankungen ausschließen muss. Dafür ist in der Regel eine gute körperliche Untersuchung ausreichend, möglichst auch mit Austasten des Afters. Ist ihr Kind schon verständig, wird der Kinder- und Jugendarzt ihm auch die Darmfunktion erklären. Die Behandlung der Verstopfung soll Ihrem Kind zunächst die Angst vor einem schmerzhaften Stuhlgang nehmen. Je nach Alter des Kindes und Dauer der Problems wird die Verstopfung mit unterschiedlichen Mittel behandelt.

Säuglinge und junge Kleinkinder:

  • Pflege des Pos und Afters,
  • Glycerinzäpfchen oder Mini-Klistier zur Auslösung des Stuhlgangs (aber nicht bei entzündetem Po),
  • Ernährungsumstellung, um den Stuhl weich zu halten (z. B. mit Birnenmus oder Vollkornbrei),
  • bei Kuhmilcheiweißunverträglichkeit entsprechende Behandlung durch den Kinder- und Jugendarzt,
  • gelegentlich Medikamente zum Weichhalten des Stuhls nach Verordnung durch den Kinder- und Jugendarzt,
  • Sauberkeitstraining erst nach Heilung der Verstopfung

Kindergarten- und Schulkinder:

  • Erklären der Darmfunktion mit einfachen Worten
  • „Toilettentraining“: Nach der Hauptmahlzeit oder bei Anzeichen für Stuhldrang sollte das Kind an den Toilettengang erinnert werden. Wenn das Kind versucht, zu „verkneifen“, sollte es davon abgelenkt werden. Die Sitzungen sollten nicht mehr als 5 –10 Minuten dauern. Hilfreich ist bequemes Sitzen auf der Toilette (z. B. mit Schemel oder Kindersitz) und ein Lob für jedes Absetzen von Stuhl.
  • Weichhalten des Stuhls mit Medikamenten nach Verordnung durch den Kinder- und Jugendarzt. Dadurch sind auch die sonst notwendigen Einläufe und Klistiere oft überflüssig.
  • Tipps und Tricks beim Essen und Trinken: altersentsprechende Mischkost, möglichst ohne, absolute Verbote für z. B. Banane oder Schokolade, morgens vor dem Frühstück ein Glas Orangen- oder Birnensaft, nicht zu viel Milch, besser Joghurt und Käse, Vollkornprodukte, z. B. Müsli, Vollkorntoast, Dreikornbrot, Kochen mit Olivenöl statt mit Butter, Margarine oder Sonnenblumenöl.
  • Häufig muss die tägliche Trinkmenge gesteigert werden.
  • Fördern Sie täglich die körperliche Aktivität Ihres Kindes, in Sport und Spiel.
  • Ihr Kinder- und Jugendarzt sollte Ihr Kind begleiten, bis das Problem gelöst ist. Mit Hilfe eines „Stuhlprotokolls“ kann er den Erfolg der Behandlung, d.h. die regelmäßige Entleerung von weichem geformten Stuhl, bestätigen. Er kann auch am besten beraten, wenn noch andere Hilfe, z. B. durch einen Kinder-Gastroenterologen, hinzugezogen werden muss.