102020Sep

Was tun bei Husten?!

Was tun bei Husten?! Was wissenschaftlich belegt ist:

Husten ist keine Krankheit, die bekämpft werden muss, sondern ein Schutzreflex, der den Körper effektiv bei seiner Heilung unterstützt. Sind die Atemwege entzündet, bilden die Schleimhäute der Atemwege Sekrete, die den Abtransport der Viren verbessern. In ca. 95 % der Fälle sind Viren und nicht Bakterien die Ursache.

Studien ergeben: Hustensäfte wirken nicht oder haben allenfalls minimale Effekte.

Wissenschaftler haben 330 Veröffentlichungen, die die Wirksamkeit von Hustensäften untersuchten erläutert, von denen waren nur 15 dieser Studien „am Menschen“, beim Rest handelte es sich um reine Laborversuche. Davon kamen sechs zu dem Ergebnis, dass der Saft nicht besser wirkte, als ein Placebo. Bei den übrigen ergaben sich keine statistisch relevanten Ergebnisse. Das bedeutet keine erwünschte Wirkung.

Nicht eine einzige dieser Studien belegte tatsächlich, dass Hustensaft relevant wirkt.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sagte schon 2006 in einer Pressemitteilung daher auch ganz klar: „dass die Behandlung mit Hustensäften schon längst nicht mehr Stand der Forschung sei; Zitat:…“ Bei Hustensäften und Schleimlösern gibt es keine wissenschaftlich harten Daten, die belegen, dass Hustensäfte wirken. In den Leitlinien zur Behandlung von Infekten der oberen und unteren Luftwege werden daher auch keine Empfehlungen zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit entsprechenden Medikamenten ausgesprochen. Kinderkliniken verzichten schon seit langem auf die Verabreichung von Hustensaft. Nur weil Eltern seit Jahrzehnten an Linderung durch Hustensaft glauben und nur weil Kindern die Einnahme eines solchen, zudem meist wohlschmeckenden Medikamentes subjektiv gut tut werden diese oft verordnet….., Eltern fiele es einfach schwer zu akzeptieren, dass gegen viele Beschwerden oft nichts anderes hilft, als Abwarten und auf die körpereigenen Abwehrkräfte vertrauen. Eltern haben immer das Bedürfnis „irgendetwas tun“ zu müssen, um ihren Kindern das Leiden zu erleichtern. Mit Hustensaft haben sie das Gefühl, aktiv zur Genesung beizutragen…“

Aufklärung statt Rezept!

Da der Husten meist von Erkältungsviren verursacht wird, kann kein Medikament diese Erreger gezielt bekämpfen und die Erkrankungsdauer spürbar verkürzen. Das sollte der Arzt seinem Patienten erläutern und ihn auch darüber aufklären, dass es bei einem Husten auch schon mal bis zu drei Wochen dauern kann, bis er komplett ausgestanden ist. Der Patient sollte auch wissen, dass ein Nutzen von schleimlösenden Medikamenten wie z.B. Acetylcystein (ACC) oder Ambroxol nicht nachgewiesen ist. Antibiotika meist nutzlos und riskant ! Viele hustende Patienten erwarten, dass ihnen ihr Arzt ein Antibiotikum verordnet, und in jedem zweiten Fall tut er es dann auch. Eine unkomplizierte akute Bronchitis sollte aber nicht mit einem Antibiotikum behandelt werden. Antibiotika bewirken nur eine marginale Verkürzung der Krankheitsdauer von lediglich einem halben Tag, verursachen aber potenziell schwere Nebenwirkungen und erhöhen die Gefahr von Resistenzen. Gelber oder grüner Schnupfen ist KEIN sicheres Indiz für eine bakteielle Infektion und häufig bei harmlosen, viralen Infekten.

Sind pflanzliche Mittel hilfreich? Nur für Myrtol, Thymian/Efeu- oder Thymian/Primelwurzel-Präparate ist eine geringe Linderung von Beschwerden nachgewiesen worden. Insbesondere in Kombination mit Honig (nur Kinder > 12 Monate!)

Wenn ihr Kind lediglich hustet, es ihm ansonsten allerdings gut geht, warten Sie zunächst in Ruhe den spontanen Verlauf ab.

Wann sollte ärztliche Hilfe aufgesucht werden?

  • Husten und Fieber über 38,5 Grad über > 3 Tage
  • Husten und Fieber > 40 Grad
  • Säuglinge mit Atemwegssymptomen
  • Kinder, die gar nicht mehr trinken oder bei schlechtem Allgemeinzustand sind.
  • Säuglinge und Kleinkinder, bei denen Husten schlagartig und heftig beginnt: In diesem Fall könnte ein verschluckter Fremdkörper Ursache für den Hustenreiz sein.
  • Bei jedem Husten, der länger als zwei Wochen dauert.
  • Bei beschleunigter Atmung/Zeichen der Atemnot
  • Bei krankhaften Geräuschen während des Ein- oder Ausatmens